Diagnose & Tests
Wegweiser durch die Labormedizin
Die Diagnose einer Borreliose ist komplex. Standardtests liefern nicht immer eindeutige Ergebnisse. Hier erfahren Sie, welche Verfahren es gibt und wo ihre Grenzen liegen.
Hinweis: Wir sind eine Patientenorganisation, keine Ärzte. Diese Informationen basieren auf Erfahrungen und ersetzen keine ärztliche Beratung.
Schritt für Schritt zur richtigen Diagnose
Wie die Diagnose einer Borreliose idealerweise ablaufen sollte — und warum viele Patienten zu früh aufgeben.
Klinische Anamnese & Symptomerfassung
Der erste Schritt ist immer ein ausführliches Gespräch über Symptome, Zeckenstiche, Reiseanamnese und den zeitlichen Verlauf der Beschwerden. Viele Patienten werden zu früh auf Laborwerte reduziert.
VBCI-Hinweis: Ein erfahrener Kliniker wertet die gesamte Geschichte — nicht nur Blutbilder.
Standard-Labor (ELISA & Westernblot)
Der ELISA-Test wird als Suchtest eingesetzt, ein positives Ergebnis wird durch den Westernblot bestätigt. Diese 'Zweistufendiagnostik' ist der Standard — hat aber erhebliche Einschränkungen.
Wichtig: Ein negativer ELISA schließt Borreliose NICHT aus. Falsch-negative Ergebnisse sind häufig — besonders im frühen Stadium.
Erweiterte Spezialdiagnostik
Bei anhaltenden Symptomen trotz negativer Standardtests kommen zusätzliche Verfahren in Frage: der Lymphozyten-Transformationstest (LTT), CD57-NK-Zellen, Seronegative Antikörper oder PCR-Tests aus Speziallabors.
Diese Tests sind nicht in jeder Kassenpraxis verfügbar — VBCI hilft bei der Suche nach geeigneten Spezial-Labors.
Klinische Gesamtbewertung & Therapieentscheidung
Die Diagnose ist keine reine Laborentscheidung, sondern eine klinische Gesamtbewertung. Symptomkombination, Verlauf und Ansprechen auf erste Therapieversuche fließen ein. Gemeinsam mit dem Arzt wird ein individueller Therapieplan entwickelt.
Chronische Borreliose erfordert oft einen erfahrenen Spezialisten. VBCI unterstützt bei der Arztsuche.
Standarddiagnostik vs. Erweiterte Diagnostik
Nicht jeder Test ist für jeden Patienten geeignet. Hier die wichtigsten Unterschiede.
Standard ELISA-Test
Erstscreening über konventionelle Gesundheitssysteme
Der erste Schritt ist meist ein Suchtest (ELISA). Ist dieser positiv, folgt die Bestätigung (Westernblot).
- • Weitgehend verfügbar in Standardlaboratorien
- • Von der Krankenversicherung abgedeckt
- • Schnelle Ergebnisse innerhalb von 24-48 Stunden
- • Hohe Rate an falsch-negativen Ergebnissen (bis zu 50-60%)
- • Erkennt nur Antikörper, nicht den Erreger selbst
- • Unzuverlässig in frühen Krankheitsstadien
Das Problem: Diese Tests suchen nach Antikörpern, nicht nach den Bakterien selbst. In frühen Stadien oder bei geschwächtem Immunsystem bilden Patienten oft keine messbaren Antikörper („Seronegativität“). Ein negatives Ergebnis schließt Borreliose nicht sicher aus.
Erweiterte Diagnostik
Zelluläre Tests & Co.
Viele spezialisierte Ärzte nutzen weiterführende Verfahren wie den Lymphozyten-Transformationstest (LTT).
LTT (Lymphozytentransformationstest)
LTT: Dieser Test misst nicht Antikörper, sondern die Reaktion der T-Lymphozyten auf Borrelien. Er kann Hinweise auf eine *aktive* Entzündung geben, auch wenn Antikörper fehlen. Dieser Test ist meist keine Kassenleistung.
CD57-Wert
CD57-Test: Ein Marker für die Aktivität des Immunsystems, der bei chronischer Borreliose oft erniedrigt ist.
Die Grenzen der Labordiagnostik dürfen nicht die Grenzen der Behandlung sein. Ein negativer Test schließt eine Borreliose nicht aus, wenn das klinische Bild spricht.
Klinische Diagnose
Erfahrene Borreliose-Spezialisten behandeln Menschen, keine Laborwerte. Wenn das klinische Bild (Symptome, Geschichte) stark für eine Borreliose spricht, kann eine Therapie auch ohne positiven Labornachweis gerechtfertigt sein.
Therapieoptionen ansehenDiese Zeichen sprechen für einen Spezialisten
Wenn Sie eines dieser Kriterien erfüllen, sollten Sie aktiv nach einem Borreliose-erfahrenen Arzt suchen.
Anhaltende Symptome trotz negativem Labortest
Negative Tests, aber eindeutige Vorgeschichte eines Zeckenstichs
Anhaltende Müdigkeit, Gelenkschmerzen oder neurologische Symptome
Symptome verändern und verschlechtern sich
Frühere Antibiotika-Behandlung brachte keine Verbesserung
Verdächtige Ko-Infektionen (Babesia, Bartonella usw.)
Wir lassen Sie mit Ihren Fragen nicht allein.
Chronische Infektionen erfordern fundiertes Wissen und individuelle Lösungsansätze. Unsere Experten begleiten Sie auf dem Weg zur richtigen Diagnose.
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