Prof. Dr. Walter Siegenthaler (1923–2010) war einer der einflussreichsten deutschsprachigen Internisten des 20. Jahrhunderts. Als Professor für Innere Medizin und Direktor der Medizinischen Poliklinik am Universitätsspital Zürich schuf er ein geradezu monumentales Lebenswerk, das die ärztliche Ausbildung für Generationen revolutionierte. Sein legendäres Hauptwerk, die "Siegenthaler Differentialdiagnose", ist bis heute absolut unverzichtbare Pflichtlektüre und das unangefochtene Standard-Referenzwerk an sämtlichen medizinischen Fakultäten weltweit. Siegenthaler weigerte sich vehement, sich den zunehmend zersplitterten und maschinellen Spezialisierungen des modernen Klinikbetriebs zu unterwerfen. Er lehrte Ärzte, nicht nur isolierte Laborwerte zu studieren, sondern den Patienten präzise, systematisch und ganzheitlich abzuhören (Anamnese) – eine Kunst, deren dramatischer Verlust heutzutage maßgeblich an den endlosen Fehldiagnosen chronischer multisystemischer Erkrankungen wie Lyme-Borreliose und Post-COVID-Syndromen schuld ist.